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  2. Oct 2020
    1. Summary of Margot Bloomstein's talk "Designing for Trust in an uncertain world." (Recording of a similar talk on Vimeo)

    2. Mass media and our most cynical memes say we live in a post-fact era. So who can we trust — and how do our users invest their trust?

      Margot's starting point is what has been called the epistemic crisis.

  3. Sep 2020
    1. die Werkzeuge verstanden und genutzt werden, die der Menschheit durch ihre gesamte Geschichte zur Verfügung standen

      Ich will deine Analyse auf gar keinen Fall besserwisserisch kritisieren. Ich kann alle Aussagen unterschreiben, und ich habe Grund, an meinen eigenen Kategorien und an meiner politischen und sozialen Analysefähigkeit zu zweifeln. Meine Einwände—eher Vorschläge, weiter zu gehen—sind:

      1. Klammerst du nicht Machtfragen aus, die für die epistemic crisis, von der du ausgehst entscheidend sind? Hinter Trump, dem Brexit und der Propaganda für sie stehen Interessengruppen und Individuen, wie die Koch-Brüder und Rupert Murdoch.
      2. Sind Aufklärung, Wissen und Technologie einheitliche Phänomene, oder gehören sie nicht zu sehr unterschiedlichen konkreten Konstellationen? Kann man nicht z.B. daran zweifeln, dass die Entwicklung der sozialen Medien tatsächlich im Sinne der Aufklärung verlief? Sollte man nicht eher konkrete working anarchies, demokratische Formen der Kooperation wie in den Wissenschaften oder im offenen Netz verteidigen statt abstrakt für Rationalität und Aufklärung als solche einzutreten?
      3. Sind die ökologischen Krisen, die great acceleration und die globale Ungerechtigkeit nicht auch Ursachen für die epistemic crisis? Betreibt etwas Trump oder die Gruppe, deren Interessen er vertritt, nicht vielleicht deshalb eine wissenschaftsfeindliche Politik, weil wissenschaftliche Ergebnisse klar zeigen, dass diese Machtgruppen die Menschheit in eine Existenzgruppe führen?

      Zusammengefasst ich würde Aufklärung und Wissenschaft als etwas Lokaleres und Bestimmteres verstehen, verbunden mit Interessen und politischen Strukturen, und ich sehe die epistemische Krise als Komponente von Machtkämpfen—Machtkämpfen zwischen den Eliten, aber auch zwischen Eliten und den Interessen anderer Gruppen. Ich will damit aber nicht umgekehrt eine Fragmentierung von Vernunft und Aufklärung betreiben, sondern nur ihre Sozialisierung durch Einbettung in kooperative Strukturen.

    2. Netzpolitik, Digitalpolitik, Wissenspolitik können sich diesen fatalen Entwicklungen entgegenstellen. Die Politikfelder eröffnen zumindest einen argumentativen und institutionellen Rahmen, innerhalb dessen gedacht, gestritten und entschieden werden kann.

      Du schreibst jetzt über drei miteinander verbundene Politikfelder. Aber stellt nicht die Entwicklung, von der du ausgehst, den Politikansatz in Frage, in dem sich solche Themenpolitiken betreiben lassen? Und zeigt die Aufteilung in Netz-, Digital- und Wissenspolitik nicht vielleicht auch, dass die Digitalisierung nicht das einheitliche Phänomen ist, als das sie uns erscheint?

    3. Parallel wird das Internet immer weiter in kleinere Netze aufgespalten

      Hier berührst du auch das Thema der Globalisierung, das man wahrscheinlich nicht von denen der epistemischen Krise und des Digitalen abtrennen kann. - Ist diese Verbindung der Themen nicht ein Indiz dafür, dass es immer zugleich um wirtschaftliche Interessen und um Macht geht? Hypothetisch formuliert: Haben wir es hier nicht mit Koalitionen von antiglobalistischen Eliten und Teilen der Bevölkerung zu tun, die sich durch die weitere Modernisierung bedroht fühlen?

    4. Statt, dank dem jederzeit möglichen Zugriff auf relevante Informationen und Wissen, gut informiert nachhaltige Entscheidungen zu treffen, werden Fakten schlicht abgeleugnet, sogar gegen ein Virus demonstriert oder gleich 5G-Masten abgefackelt?

      Du verstehst diese epistemische Krise als Gegensatz zwischen einem im weitesten Sinn aufkärerischem Herangehen an gesellschaftliche Probleme und einem irrationalistischen, faktenfeindlichen Vorgehen. Wenn ich es richtig sehe, dann argumentierst du im weiteren Verlauf des Textes dafür, mit noch mehr Aufklärung zu reagieren, und differenzierst innerhalb des aufklärerischen Ansatzes zwischen Netz-, Digital- und Wissenspolitik.

    5. Ich würde das, was du hier diagnostizierst, als Epistemic Crisis bezeichnen. Ich nehme sie genauso wahr wie du, und ich bin auch darüber entsetzt. Das erste Warnsignal, das ich ernst genommen habe, war der Brexit, das zweite die Wahl von Trump. Beide habe ich vorher nicht erwartet, weil sie jenseits des Horizonts waren, in dem ich Entwicklungen erwartet habe. ich muss also auch an der Art und Weise zweifeln, in der ich politische Entwicklungen verstanden habe.—Später kam dann für mich der Aufstieg der Freiheitlichen hier in Österreich, bis hin zur Regierungsbeteiligung, und die rechtspopulistische Welle (wenn man es so nennen will) in Frankreich und Italien.